Entstehung und Geschichte
1968 Bau des Jugendheims St. Paulus
1968-1970
Rund 400 Kinder und Jugendliche werden im Jugendheim betreut. Ein Geistlicher lebt im Haus. Bis 2001 lebt immer eine Betreuungsperson im Jugendheim. Es gibt auch einen Pfarrkindergarten und eine Kinder & Jugendbücherei.
1970–1980
Instrumentenunterricht, Sport (Judo, Fußball), kreative Angebote: Kochen, Emailieren, Fotografie, Tischtennis, Töpfern, Schach, Meditation, Grafik, Sommerfahrten (Frankreich, Sizilien, Spanien, Griechenland, Italien) Ferienlager (Königswiesen, Südtirol, Tirol) Heimausweis, Schikurs, Jugendherberge im Sommer ab 1978, verschiedene Feste.
1980-1990
Jugendheimzeitung, Bar als täglicher Treffpunkt für Jugendliche bei Musik, Spiel, Gespräch und Film. Tag der offenen Tür, Rodelrennen, Feste, 1983 erste Osterfahrt nach Assisi, Flohmarkt zugunsten des Jugendheimes, Tanzkurs, Jugendheiminfo, Gruppenführerschulung, Jugendheimball, Fahrten(Korsika, Italien, …), Gitarrenwochenende, Jazzfrühstück am Sonntag, mehrtägige Bergtour, Fahrt ins Alpamare.
1990-1993
Neue Kreativangebote: Seidenmalen, Töpfern, Weben, Fotografieren, Bergtouren, Lager, Fahrten, Bilderausstellung.
1994-1996
Öffnung des Jugendheims hin zu Offenen Jugendarbeit unter der Leitung von Koop. Mag. Anno Schulte-Herbrüggen und hauptamtlicher MitarbeiterInnen; Konzepterarbeitung.
1998
Offene Jugendarbeit: 30-40 BesucherInnen, großes Thema Drogen, Projekte: Make work not worry – Initiative zur Arbeitsvermittlung, Drods (Drogen & Aids) Sensibilisierung zu diesem Thema, mit einer Fotoaktionswoche zum Thema Sucht, Liebe, Aids; (10 Jugendliche); Aids, Sucht und Drogen bei Jugendlichen in der EU – 1 Woche in Deutschland mit Gruppen aus ganz Europa (7 Jugendliche).
1999
Leitbildprozess: ein Leitbild und konkrete Leitlinien wurden erarbeitet. Jugendaustausch in Tirol und in Griechenland. Offene Kinderarbeit: Seidenmalen, Kochen, Judo, Hip-Hop, Malen, Trommeln. Offener Jugendtreff: Abschied der alten Clique, Projekt Jugend und Akt (Medium Foto: Pornografie – Kunst) Vernissage.
2000/2001
OJA: Projekt: Wir bauen ein Haus (Gartenhaus). Die DJ-Box wurde vergrößert. Erste Besuche von türkisch-stämmigen Jugendlichen, DJs, Breakdancer, Bardienstgruppe, Fussballturniere, Grillfest, Rodelabend, Filmabende, Exkursion nach Dortmund „Mayday“, Schwaz mit Bergwerk und Planetarium, Gardalandbesuch.
2002
OJA: Raumgestaltung, Mädchenöffnungstage, DJs, Tänzer, Bogenschießen, Turniere, Streetballturnier in Schwaz, Schulabschlussparty Sp@cebase.
2003
OJA: DJs, Tänzer, Projekt: Gardaseefahrt, Kanufahrt (4 Tage).
2004
OJA: Mädchenarbeit, Mädchengruppe, DJs, Tänzer, Bardienstgruppe, neue Gruppe von Migrantenjugendlichen, Hausprojekt: Girls Place, Europäischer Freiwilligendienst.
2005
OJA: Intensiver Betrieb, Samstag als Projekttag eingeführt, der Mädchenraum wurde gestaltet, Kreativangebote, Fussballturnierteilnahmen.
Örtliche Gegebenheiten
Der Offene Jugendtreff ist Teil des Kinder und Jugendzentrums St. Paulus. Es ist eingebettet in den Seelsorgeraum St. Paulus und St. Pirmin.
Das Kinder und Jugendzentrum St.Paulus wird unterteilt in den pfarrlichen Kinder- und Jugendbereich und der Offenen Jugendarbeit. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt und das kreative Potential des Kinder und Jugendzentrums St. Paulus. Durch die zeitweilige Vernetzung zwischen den einzelnen Bereichen ergeben sich vielschichtige Möglichkeiten bereichsübergreifende Projekte durchzuführen. Zum Beispiel gestalteten 2010 Jungscharkinder (pfarrlicher Bereich), Jugendliche aus dem Offenen Jugendtreff in Kooperation mit Firmlingen aus dem pfarrlichen Bereich und ehrenamtliche junge Erwachsene aus dem Jugendkulturbereich gemeinschaftlich die öffentliche Veranstaltung „Lange Nacht der Kirchen“, um nur ein Projekt zu nennen.
Im Bereich der Offenen Jugendarbeit arbeiten wir im Sinne des von der Pojat erarbeiteten Positionspapiers (Februar 2008) und der allgemein gültigen Standards, der Richtlinien des Landes Tirol zur Offenen Jugendarbeit.
OJA was ist das?
Offene Jugendarbeit begleitet und fördert Jugendliche auf dem Weg zur Selbständigkeit.
Sie stellt jungen Menschen niederschwellig (Frei-)Räume zur Verfügung, wo sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können, ohne Verpflichtungen und ohne Konsumzwang. Innerhalb dieser Räume werden verschiedene Angebote gesetzt, welche wahrgenommen werden können, immer mit einem Beziehungsangebot von Seiten der JugendarbeiterInnen.
Ziele der OJA
Unser Ziel ist es einen Beitrag zu leisten, damit Jugendliche zu selbständigen, kreativen und verantwortungsbewussten jungen Menschen werden können.
Offene Jugendarbeit begleitet und fördert junge Menschen in ihrer Entwicklung, im Speziellen versucht sie Selbstsicherheit, Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen zu stärken und soziale Kompetenzen hervorzuheben.
Grundlegende Ziel-und Schwerpunktsetzung
Wir fördern und unterstützen Jugendliche, die aktiv sein wollen, die bereit sind sich zu beteiligen, mitzugestalten und sich einzubringen.
Wir unterstützen Jugendliche dabei, Verantwortung zu übernehmen und Eigenständigkeit zu entwickeln.
Wir unterstützen Jugendliche dabei neue Interessen zu entdecken.
Wir wollen die Anliegen der Jugendlichen ernst nehmen, ihnen Möglichkeiten schaffen, diese zu erfüllen und kritisch zu reflektieren.
Wir wollen die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit fordern und fördern, ihre Stärken aufgreifen und besonders wollen wir darauf achten, dass ein respektvoller Umgang gepflegt und von uns eingefordert wird. Wir streben an, dass das Verhältnis zwischen dem was Jugendliche bekommen oder sich nehmen und zu dem was sie in den Jugendtreff einbringen (an Engagement, Aktivität,…) ausgewogen ist.
Wir wollen, dass Jugendliche mit ihren Wünschen zu uns kommen und dass wir gemeinsam versuchen ihre Ideen umzusetzen. Wir wollen den Jugendlichen Möglichkeiten zum Aktivwerden bieten. Das Spektrum reicht dabei von gesetzten Angeboten, über Mitgestaltung bis Selbstbestimmung und Eigeninitiative. Es besteht aber kein Zwang für die Jugendlichen mitzugestalten.
Wir wollen Jugendliche an Entscheidungen und Gestaltungsprozessen beteiligen, ihre Eigeninitiative fördern und ihnen Eigenverantwortung übertragen.
Wir versuchen Jugendliche als Einzelpersonen und als Teil ihrer Clique mit ihren offensichtlichen und versteckten Bedürfnissen wahrzunehmen. Wir wollen uns auf die Jugendlichen und auf ihre Gruppenkontexte einlassen. Die verschiedenen Gruppen erhalten die gleichen Bedingungen, damit sie im Jugendtreff Platz finden können. Wir sind uns der möglichen Machtspiele zwischen den Gruppen bewusst und wollen so gut wie möglich positiv darauf einwirken. Unser Bestreben ist es, dass verschiedene Gruppen im Jugendzentrum nebeneinander gut leben können. Gruppenübergreifende Projekte können positive Auswirkungen haben.
Wir versuchen bedürfnisorientiert zu handeln.
Wir versuchen bei Problemen jeglicher Art zu helfen und schnell zu reagieren. Falls nötig vermitteln wie Jugendliche zu den zuständigen Institutionen weiter.
Wir arbeiten mit weiblichen und männlichen Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren.
Wir halten uns in unserer Arbeit an das aktuelle Tiroler Jugendschutzgesetz.
Zielgruppen
Grundsätzlich ist der Jugendtreff für alle Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren, unabhängig vom sozialen Status, Geschlecht, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit offen. Im Speziellen möchten wir das direkte Umfeld des Kinder- und Jugendzentrums St. Paulus ansprechen. Das bedeutet, der Jugendtreff soll vor allem, aber nicht nur, Jugendlichen aus der Umgebung zur Verfügung stehen, die sonst keine Möglichkeit zur Freizeitgestaltung bzw. Ausübung von kreativen Interessen haben.
Jugendliche mit unterschiedlichem Kulturhintergrund sind bei uns willkommen und finden Platz. Wir bringen ihren Kulturen Respekt und Toleranz entgegen und fordern dies auch ein – sowohl gegenüber den BetreuerInnen als auch und unter den Jugendlichen. Wir fördern die Bereitschaft, Interesse füreinander zu entwickeln. Unser Ziel ist es, dass sie andere Kulturen wahrnehmen, erleben und besser verstehen können.
Formen und Methoden der OJA
Kontinuierliche Beziehungsarbeit ist die Grundlage für unsere Arbeit, wodurch es möglich wird Selbstverantwortung von den Jugendlichen einzufordern. Die Rolle des/r JugendarbeiterIn besteht darin Orientierung, Begleitung, Halt, Lösungsansätze und Handlungsoptionen anzubieten. Der/die JugendarbeiterIn ist als authentische/r Erwachsener ein Vorbild.
JugendarbeiterInnen in der Offenen Jugendarbeit stellen einerseits Bezugspersonen dar, die das Bedürfnis nach Bindung direkt erfüllen können oder die Möglichkeit bieten, dieses Bedürfnis zu reflektieren. Andererseits sind sie ein Vorbild und vermitteln bzw. bieten die Gelegenheit zur Reflexion von Einstellungen und Werten. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Reflexion dieser Vorbildrolle durch die MitarbeiterInnen der OJ selbst, sowie das Einfordern und Betonen der Selbstverantwortung der Jugendlichen. Die kontinuierliche Beziehungsarbeit stellt die Basis dar, die einen konstruktiven Umgang mit Grenzen und Konflikten sowie mit sinnvollen Konfliktlösungsstrategien ermöglicht.
JugendarbeiterInnen können in dieser Funktion auch beratend agieren, im Hinblick auf aktuelle Problematiken der Jugendlichen.
Offene Jugendarbeit wirkt auf der einen Seite durch Einzelkontakte, andererseits hat sie auch die Möglichkeit, in die Gruppendynamik von Cliquen einzuwirken bzw. Impulse zu setzen. Durch die Förderung von Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung, durch das Aufzeigen und Fördern von Handlungsalternativen, neuer Perspektiven und die Forcierung von Beteiligung.
Ein zentrales Handlungsprinzip der Offenen Jugendarbeit ist die akzeptierende Haltung. Jugendliche werden dort „abgeholt“, wo sie gerade „stehen“. Offene Jugendarbeit“ ist kein Einmalangebot, sondern verbunden mit einer Kultur der zweiten, dritten und vierten Chance. Es besteht das Bewusstsein, dass Jugendkulturen widerständige Kulturen sind. Die Offene Jugendarbeit ist „zuhörend“ und nicht verurteilend, das Beziehungsangebot steht an vorderster Stelle. Grenzen werden klar gezogen und formuliert, nach Regelverstößen ist die Offene Jugendarbeit bestrebt, Beziehungen aufrecht zu erhalten und eine Klärung anzustreben, manchmal auch im Sinne einer „hartnäckigen Zuversicht“.
Wiedergutmachungsprinzip
Im Jugendtreff gelten Grundregeln, die unumstößlich sind. Das Team macht diese Grundregeln transparent und achtet konsequent darauf, um einen geschützten Rahmen für die Arbeit mit den Jugendlichen zu schaffen. Das Team sieht die Auseinandersetzung mit Grenzen als Prozess, der die Jugendlichen mit ihrem Verhalten konfrontiert und der Beziehungen positiv verändern kann. Um diesen Prozess zuzulassen arbeiten wir mit Grenzspielräumen, ausgenommen bei Grundregeln.
Jugendliche stellen (immer wieder) etwas an, übertreten Grenzen und fordern dadurch Sanktionen heraus. Im Rahmen unserer Arbeit müssen Konsequenzen gesetzt werden, die einer pädagogischen Maßnahme entsprechen. Das Hausverbot als einzige Konsequenz erachten wir nicht als sinnvoll. Es soll daher die allerletzte Möglichkeit sein. Eine Alternative im Sinne eines Wiedergutmachungsprinzips erscheint logisch, denn es plädiert an das Gewissen und ist gut für den Jugendlichen selbst. Nach der Tat besteht die Möglichkeit eines Gesprächs mit den beteiligten JugendarbeiterInnen. Darin wird gemeinsam beschlossen, wie das Vergehen wieder gut gemacht werden kann. Durch reparieren bzw. etwas (Sinnvolles) tun wird es den Jugendlichen ermöglicht Reue zu zeigen und das eigene fehlerhafte Tun wieder in Ordnung zu bringen. Durch diese Art der Konsequenz und Auseinandersetzung mit seinem Verhalten wird der Selbstwert gesteigert, es können eigene Ressourcen entdeckt werden und es können dabei Gespräche über das Geschehene geführt werden. Die Wiedergutmachung kann aus kleinen sinnvollen Betätigungen bestehen, zum Beispiel Aufräumarbeiten, Ausmalen der Räume des Jugendtreffs, Bardienst, Entrümpelungen für Leute aus der Pfarrgemeinde, usw.
OJA ist somit auch für junge Menschen da, wenn sie Grenzen übertreten haben. Sie sanktioniert zwar und zieht Konsequenzen, bleibt aber nach wie vor in Beziehung mit den jungen Menschen und ermöglicht so Wege alternativer Meinungsbildung und Handlungsoptionen.
“Bar-Dienst”
Wenn sich ein Jugendlicher dazu bereit erklärt, einen „Bar-Dienst“ zu übernehmen, wird ihm erlaubt, die Angebote der Bar (verschiedene Süßigkeiten, Toast, Tee, Saft, etc.) inkl. der Kassa – über eine gewisse Zeitspanne – zu verwalten. Im Vordergrund steht dabei, dass die Jugendlichen lernen, selbstverantwortlich zu agieren. Zusätzlich werden sie mit Umgangsformen, verschiedenen Werten (Wert des Geldes, Wert der Süßigkeit, Wert eines Verkäufers, Wert des Käufers etc.) und Verantwortung (Buchführung, Kassageld, Aufpassen etc.) konfrontiert. Durch die Bereitschaft der Kinder- und Jugendlichen sich aktiv einzubringen und mitzugestalten, bekommen sie auch eine Mitverantwortung gegenüber dem Offenen Jugendtreff.
Offenes Angebot
Es besteht die Möglichkeit einfach nur da zu sein und abzuhängen. Das Einfach-So-Sein-Dürfen sehen wir als Chance, dass auch andere Seiten der Jugendlichen zum Vorschein kommen können.
Der junge Mensch steht im Mittelpunkt in der Offenen Jugendarbeit. Selbstachtung, Selbstverwirklichung und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe der Jugendlichen sind dabei wesentliche Elemente.
Unser Ziel ist es, Jugendlichen Verantwortung zu übergeben und Verbindlichkeiten zu fördern, um ihre Persönlichkeit zu stärken. Jugendliche können mit geringer Verbindlichkeit im Jugendtreff sein und tragen dennoch Verantwortung für ihr Verhalten, die im Rahmen der Grundregeln vom Team der JugendarbeiterInnen eingefordert wird.
Cliquenorientiertes Angebot
Die Offene Jugendarbeit ist ein Angebot für alle Jugendlichen, ohne nach Vorbedingungen oder Zugehörigkeiten zu fragen. Unsere Erfahrung der praktischen Umsetzung zeigt allerdings, dass dieser Anspruch in einer Einrichtung nur schwer zu verwirklichen ist. Die Art und Lage der Einrichtung, die beteiligten Personen sowie Formen und Inhalte der Angebote bedingen die Attraktivität und Resonanz bei Gruppen und Cliquen. Dieses Profil der Einrichtung ist entscheidend für deren Akzeptanz bei den Jugendlichen. Durch eine differenzierte Planung der Angebotszeiten und –Inhalte lassen sich auch mit wenigen Räumen unterschiedliche Gruppen erreichen. Geschieht dies nicht, findet sehr oft ein Verdrängungsprozess zwischen unterschiedlichen Alters- und Zielgruppen statt. Die Ausrichtung des Angebotes u. a. nach Altersgruppen sowie nach dem Geschlecht ist daher notwendig, will man bestimmte Gruppen von Jugendlichen ansprechen.
Strukturiertes Angebot
Offene, strukturierte Angebote, die sich vor allem durch ihre Flexibilität auszeichnen, bieten hier eine Möglichkeit, mit Kindern- und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben und bedürfnisorientiert zu arbeiten. Weiters sollen sie Räume, Lern- und Betätigungsfelder bieten, in denen junge Menschen mehr vom „Leben“ erfahren, verstehen und eigeninitiativ gestalten lernen.
Einzelfallhilfe
In der Offenen Jugendarbeit ist es alltäglich und notwendig, umgehend auf einzelne Jugendliche zu agieren und richtig zu reagieren. BetreuerInnen stehen in direktem Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen, erfahren von ihren Fragen, Sorgen und Interessen. Dadurch besteht auch eine Chance, ihre Anliegen aufzugreifen, mit ihnen Wege zur Verwirklichung ihrer Interessen zu suchen, ihnen Bildungschancen zu eröffnen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und ihnen vor allem konkrete Hilfe anzubieten.
Beratende Unterstützung
Beratung kann in jeglicher Form gewünscht und ausgeführt werden. Oft ergeben sich während dem offenen Betrieb oder während laufenden Projekten Gespräche bzw. Probleme, die einer sofortigen Hilfe und Unterstützung bedingen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die BetreuerInnen mit möglichst vielen Institutionen (wie z.B. dem Referat für Jugendwohlfahrt) und Hilfsorganisationen vernetzt sind, um den Kinder- und Jugendlichen die bestmöglichste Hilfe zukommen zu lassen. In den meisten Fällen genügt es jedoch, den Teenagern zuzuhören, sie und ihre Probleme immer ernst zunehmen, sich genügend Zeit zu nehmen, sie zu beraten und ihnen dabei mögliche Lösungsvarianten aufzuzeigen.
Standorte und Räume
Kinder und Jugendliche brauchen heute mehr denn je Räume für ihre Entwicklung, Räume, in denen sie sich ganz individuell einrichten und sozial wie emotional entwickeln können. Kinder und Jugendliche brauchen zunehmend Räume mit Möglichkeiten für Selbstentfaltungs-, Erprobungs- und Lernprozesse. Offene Kinder- und Jugendarbeit stellt diese Räume zur Aneignung und Selbstgestaltung zur Verfügung.
Räume (und dessen Sinn)
Die Auswahl der Räume des Jugendtreffs und ihre Lage sind wichtig für die Annahme des Angebots durch die Jugendlichen. Eine zentrale Lage mit guter Verkehrsanbindung steht aber oft im Konflikt mit der möglichen Belastung der Nachbarschaft durch Lärm. Ohne Kompromisse wird es deshalb meistens nicht gehen. Um Kinder und Jugendliche noch mehr an ein Jugendtreff zu binden, ist es ratsam, sie schon bei der Suche bzw. sie bei der Gestaltung mit einzubinden. Dies erhöht die Akzeptanz eines solchen Angebotes und setzt Kreativität schon bei der Suche bzw. bei der Gestaltung frei (z.B. Bauwagen als offener Treff).
Der Raumbedarf ist abhängig von den Zielen und Arbeitsformen der Einrichtung. Optimal ist ein größerer Veranstaltungsraum (zwischen 50 und 100 qm) mit Küche und/oder Theke und für die projektorientierte Arbeit mindestens einen weiteren Gruppenraum (ca. 25 qm). Mehrzweckräume, die auch von anderen Gruppen mitgenutzt werden, sind in der offenen Jugendarbeit problematisch. Zumindest erfordern sie eine gute und gewissenhafte Absprache zwischen den verschiedenen Beleggruppen und dem Leitungsteam der offenen Arbeit. Im Sinne des pädagogischen Prinzips der „Eroberung von Räumen“ ist es von großem Vorteil, wenn die Jugendlichen nicht einen fertigen Raum vorfinden, sondern die Möglichkeit haben, „ihren“ Raum selber zu gestalten. Dadurch entsteht eine größere Identifikation mit der Einrichtung.
Mädchenraum
In der Praxis hat sich gezeigt, dass besonders gerne Mädchen einen Raum für sich in Anspruch nehmen. In den meisten Fällen dient dieser „Mädchen-Rückzugsort“ dazu, um ungestört „ihren Aktivitäten“ (wie Schminken, Quatschen, Frauenprobleme analysieren, Beziehungen diskutieren, Alltagssituationen Revue-passieren lassen, spielen, singen etc) zu frönen. Wichtig ist, die Bewusstmachung der Mädchen (und Burschen) auf ihr Geschlecht und die damit einhergehende Rolle in der Gesellschaft. Dabei werden weibliche Betreuerinnen oftmals miteinbezogen, aber auch bewusst ausgeschlossen.
Bewegungsraum
Sport und Bewegung rücken heutzutage leider nur allzu oft in den Hintergrund. Dabei ist es besonders für Jugendliche wichtig, sich ausreichend zu bewegen, denn die meisten leiden unter akuten Bewegungsmangel und den einhergehenden Mangelerscheinungen. Nicht zuletzt deshalb ist es besonders wichtig, dass jedes Kinder- und Jugendzentrum einen Bewegungsraum hat, der Winter- wie Sommer genutzt werden kann. Deshalb werden gezielte Angebote (wie z.B. einen HipHop Tanzworkshop, Theaterworkshop, Yoga, usw.) gesetzt und gleichzeitig sollte den Kindern- Jugendlichen jedoch ermöglicht werden, den Raum für ihre Zwecke (wie z.B. zum Trainieren, Boxen, Tanzen) zu nutzen. Eine besondere Herausforderung ist es, das die Teenager den Bewegungsraum nicht beschmutzen, verunstalten und ihn immer wieder ordentlich und sauber verlassen. Um dies zu erreichen, ist es besonders ratsam, auch diesen Raum von ihnen persönlich gestalten zu lassen.
Projektarbeit
Projektarbeit ist eine sehr häufig genutzte Methode der kulturellen Jugendarbeit. Sie ist zeitlich befristet, auf einen bestimmten Raum bezogen und für eine begrenzte Teilnehmerzahl geeignet. Projektarbeit hat häufig einen innovativen und experimentellen Charakter, was Kindern und Jugendlichen die Chance zur Realitätserklärung, zur Identitätsfindung, zur aktiven Teilnahme an Sportangeboten, an Gesprächen und natürlich auch zum Spielen bietet. Unter einem immer abwechselnden Gesamtthema finden sich verschiedene Spiel- und Lernbereiche, die mit flexibel einsetzbaren, abwechslungsreichen Materialien ausgestattet sind, und von BetreuerInnen und/oder KünstlerInnen professionell betreut werden. Projektarbeit ist prädestiniert, gerade auch schwierigen Zielgruppen gerecht zu werden und ihnen (unter anderem auch „neue“) Chancen zu eröffnen.
Zu festgelegten Terminen bietet das Projektteam (oftmals mit Hilfe von Vereinen, SozialarbeiterInnen, PädagogInnen, SportlerInnen, KünstlerInnen etc.) Maßnahmen und Aktivitäten an. Diese organisierten Maßnahmen gehen von geschlechtsspezifischen Workshops (Schminken, Basteln, Kochen, etc.) hin zu Bewerbungsworkshops, zu sportbezogenen Angeboten (Klettern, Inline-Skaten, Basketball, etc. ) hin zu Projekttagen (diverse Besuche in Zoos, Theater, Kino, Reisetrips, etc.) bis hin zu persönlichen Beratungsgesprächen (inklusive Informationsangeboten in Sexualpädagogik, Suchtprävention, Alltagsproblembewältigung, etc). Dabei ist es besonders wichtig, das neben dem jeweiligen „Abenteuer-Projekt“ eine relativ unkomplizierte, niederschwellige, kontinuierliche und vielseitige Beratung geboten wird, die sich in einem personalen Angebot realisiert, das ebenso besteht aus: einfach da sein, kommunizieren, sich einlassen, vermitteln, informell beraten und Zeit füreinander zu haben. Denn speziell Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer sozialen und/oder kulturellen Herkunft oder durch ihre Alltagsinteressen und Alltagsprobleme sonst keinen Zugang zu solchen Angeboten haben, erfahren in der Projektarbeit Anerkennung, Bestätigung und Motivation.
Angebote
Wichtig ist es, immer wieder neue und abwechslungsreiche Angebote anzubieten. Im Vordergrund stehen dabei, diese Angebote kontinuierlich, immer mit dem Bewusstsein, dass jede Teilnahme auf freiwilliger Basis basiert, zu setzen. Damit diese Angebote auch regelmäßig von den Kindern- und Jugendlichen genutzt werden, ist es besonders ratsam, die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen mit einzubeziehen.
Mitgestaltung – Mitbestimmung – Mitverantwortung
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht nur Adressaten Offener Kinder- und Jugendarbeit, sondern sie gestalten und verantworten dieses Arbeitsfeld entscheidend mit. Offene Kinder- und Jugendarbeit fordert junge Menschen zu Engagement und Partizipation auf und eröffnet ihnen Möglichkeiten, Verantwortung und Leitung zu übernehmen, Meinungen und Auffassungen zu artikulieren und zu diskutieren, Einfluss zu nehmen und mit zu entscheiden.
In der Offenen Jugendarbeit sind Formen der Mitbestimmung Jugendlicher anzustreben. Diese können von „Bar-Diensten“, Workshop- oder Projektvorschlägen, Mitgestaltung bei den Räumen, Beteiligung- oder Leitung an diversen Sportveranstaltungen, bis hin zu einer festen Programmgestaltung und Präsentation nach außen (z.B. durch ein Mitwirken bei öffentlichen Veranstaltungen wie „Lange Nacht der Kirchen“, oder „Pfarrfamilienfest“) gehen. Die Strukturen sind nach dem Grundsatz der Mitverantwortung der Jugendtreff-BesucherInnen auszurichten. Inhalte können z.B. die Raumgestaltung und das Programmangebot sein. Eine Mitbestimmung von Kindern- und Jugendlichen ist sehr sinnvoll, denn sie bedingt auch Mitverantwortung für Entscheidungen.
Personal
Für die vorliegende Konzeption bedarf es mindestens folgender personeller Besetzung, die derzeit im Offenen Jugendtreff arbeitet: 4 MitarbeiterInnen, 2 davon sind für 20h und 2 für jeweils 15h angestellt. Alle 4 MitarbeiterInnen sind pädagogisch ausgebildet, weisen eine stabile Persönlichkeit auf und besuchen regelmäßig jugendrelevante Fortbildungsveranstaltungen. Teamsupervision ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil, um den oftmals schwierigen Alltag in der Offenen Jugendarbeit besser zu bewältigen.
Es müssen immer mindestens 2 hauptamtliche Personen gleichzeitig im Offenen Betrieb anwesend sein um das Minimum an der notwendigen Arbeit leisten zu können.
Zusätzlich kann die Arbeit von einem EFD (Europäischer Freiwilligen Dienst), einem Zivildiener oder PraktikantInnen mit unterstützt werden. Jedoch können diese Personen nicht als vollwertige Arbeitskräfte gesehen werden, da ihre Positionen mit der eines PraktikantInnenstatus verglichen werden kann. Ein EFD, Praktikant oder Zivildiener darf keine selbständigen Projekte durchführen, Arbeiten nur in Begleitung eines/r hauptamtlichen Mitarbeiter/in machen und ist häufig auch nicht entsprechend ausgebildet.
Zu betonen ist, die besondere Relevanz von männlichen Jugendarbeitern, da in der Offenen Jugendarbeit das Klientel in der Mehrheit aus männlichen Jugendlichen besteht. Die Vorbild- und Leitbildwirkung einer männlichen Bezugsperson ist keinesfalls zu unterschätzen. Wünschenswert wären im Idealfall eine Teambesetzung von 2 weiblichen und 2 männlichen JugendarbeiterInnen. Dies wäre auch von Vorteil, wenn es um das Ausgleichen von Urlaubszeiten und Krankheitsfällen geht.
Ein Haustischler mit Zusatzaufgaben, der für das gesamte Kinder und Jugendzentrum für das Pfarrbüro und den angrenzenden Pfarr- Kindergarten zuständig ist, steht auch dem Offenen Jugendtreff zur Verfügung.
Die Leitung des Hauses ist derzeit für 30h angestellt und führt, verwaltet und koordiniert das gesamte Kinder und Jugendzentrum St. Paulus. Auch in inhaltlich pädagogischen Fragen steht sie allen Bereichen voll zur Verfügung.
Finanzierung
Träger des Offenen Jugendtreffs ist der Verein Kinder und Jugendzentrum St. Paulus. Maßgebliche Unterstützung erhält es durch den Seelsorgeraum St. Paulus/St. Pirmin, da der Verein in diese Pfarren eingebettet ist. Das Kinder und Jugendzentrum wurde auf pfarrlichem Grund erbaut und es wird von Seiten der Pfarre kein Anspruch auf Miete vom Verein erhoben.
Wichtige Subventionspartner, um eine Finanzierung der Personal, Betriebs- und Sachkosten zu ermöglichen sind derzeit das Land Tirol, Abteilung JUFF, die Stadt Innsbruck und die Diözese Innsbruck.